A. Lampe

A. Lampe

#kirchezuHause

Wenn der Vater gestorben ist, oder: Der Fluch der bösen Tat

Leider kommt es immer wieder vor: Nach dem Tod der Eltern zerstreiten Geschwister sich heillos. Das Erbe ist mitunter der Anlass, manchmal auch der Eindruck, der Vater oder die Mutter habe eines der Kinder bevorzugt. Vermeidlicher Liebesentzug der Eltern und Neid der Geschwister untereinander führt dann zu einem Bruch in der Großfamilie. Jahrelang sprechen ihre Mitglieder nicht mehr miteinander.

Das haben Sie vielleicht auch schon beobachtet oder gar erlebt.

Für solche Zustände gibt es eine spannende Geschichte in der Bibel – mit Happy End.

Der Erzvater Jakob hat 12 Söhne, und er hat einen Lieblingssohn: Josef. Ein Merkmal dafür ist ein buntes Kleid, das der Vater ihm schenkt. Zudem hat Josef bedeutsame Träume. Ihre Deutung beinhaltet, dass seine Brüder sich vor ihm verneigen; dabei sind sie (fast) alle älter als er. Es muss den Brüdern wie eine Frechheit vorkommen. Entsprechend sauer sind sei auf ihn. Als sich die günstige Gelegenheit ergibt, täuschen sie dem Vater gegenüber Josefs Tod vor und verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten. Damit scheint das „Problem“ für sie gelöst und er macht ihnen keine Konkurrenz mehr beim Vater.

Nun haben die Brüder Gott nicht miteinbezogen in ihre Überlegungen. Gott hält zu Josef. Von Gott sind schon die Träume gekommen. Gegen alle bösen Absichten und Pläne (sowie Verwicklungen) führt Gott Josefs Weg bis an die Seite des Pharaos, dem er seine Träume deuten kann. Die drohende Hungersnot wird durch Josefs herausgehobene Stellung, die er vom Pharao bekommen hat, in Ägypten verhindert.

In Israel jedoch trifft sie alle, auch Josefs Brüder und Eltern. Notgedrungen schickt der Vater seine Söhne nach Ägypten zum Einkauf von Getreide. Nach weiteren Verwicklungen gibt sich Josef seinen Brüdern zu erkennen. Es geht sogar noch weiter: Er vergibt ihnen ihre böse Tat. Zudem dürfen sie mit ihrer ganzen Großfamilie in Ägypten bleiben. Auch der Vater wird hergeholt und trifft im hohen Alter seinen totgeglaubten Sohn wieder.

Als nun Jakob, der Vater gestorben ist, bekommen es die Brüder erneut mit der Angst zu tun und erfinden eine Lüge: Ihr Vater hätte gesagt, Josef solle ihnen vergeben. Als es Josef hört, ist er traurig, weil seine Brüder es auf sein Wort hin nicht geglaubt oder ihm nicht vertraut haben. So zieht die ursprüngliche böse Tat nun eine Lüge nach sich.

Josef steht allerdings darüber und sieht einen größeren Sinn. Er sagt zu seinen Brüdern: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich zu erhalten ein großes Volk.“

 

So bekommt die Geschichte von Josef und seinen Brüdern ihr Happy End. Dafür gibt es keine Garantie. Der Hinweis aus der Geschichte am Ende ist jedoch bedenkenswert: Gott gedachte es gut zu machen. Jedenfalls hier hat Gott das schlimme Verhalten der Brüder im größeren Ganzen zu einem guten Ende geführt. Die Tat macht es kein bisschen besser. Sie bleibt verwerflich und ein krasser Verstoß gegen Gottes Gebot und Willen.

Gott ist dennoch in der Lage, manche böse Tat zu etwas Gutem zu nutzen. Wir können darüber nichts wissen, allenfalls im Nachhinein etwas erkennen. Nie jedoch kann es als Begründung für eine böse Tat gebraucht werden. Es würde die eigene Verantwortung leugnen und wäre zudem hochgradig zynisch.

Trotzdem verbinde ich mit dieser Geschichte die Hoffnung, dass zumindest manches, was ich falsch mache, von Gott noch in irgendeiner Weise für etwas Gutes genutzt werden mag.

Josef hilft zudem vielleicht in ein paar Familien, alten Streit und schwelende Konflikte aus dem Weg zu räumen. Wir sehen an Josef dabei ganz klar: Es braucht die Bereitschaft zum Vergeben – meistens auf beiden Seiten.

 

Ich wünsche Ihnen ein friedvolle Zeit!

Georg Ziegler, Pastor

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Gottesdienst zu Hause

Wegen der Coronakrise dürfen augenblicklich keine Gottesdienste stattfinden. Das ist ausgesprochen schade. Zur Gottesdienstzeit am Sonntagmorgen um 10 Uhr können jedoch alle zu Hause in der Bibel lesen, Lieder singen oder beten. Da das voraussichtlich viele Christinnen und Christen so machen, geschieht es auf diesem Umweg dann doch gemeinsam.

Unter dem folgenden Link bietet unsere Landeskirche Anregungen und Ideen, wie wir zu Hause den Glauben leben können: kirchezuhause.de

In dieser außergewöhnlichen Zeit wird es gut sein, im guten Geist Gottes verbunden zu sein. Sein Sie dabei!

Mit den besten Wünschen,

Ihr

Georg Ziegler, Pastor